Stuttgarter Fernsehturm

Stuttgarter Fernsehturm: Gutachten zur Bedeutung als Welterbe-Kandidat

Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart ist die Fachbehörde für Schutz, Erforschung und Vermittlung von Kulturdenkmalen in Baden-Württemberg. Es betreut Bauwerke mit hoher historischer, technischer und kultureller Bedeutung und erarbeitet Grundlagen für denkmalfachliche Bewertungen.

Fernsehturm Stuttgart

Projektsteckbrief – Was haben wir umgesetzt?

  • Projektart: Wissenschaftliches Gutachten / denkmalfachliche Grundlagenstudie
  • Zeitraum: März bis Juli 2021
  • Anlass: Bewerbung des Stuttgarter Fernsehturms für UNESCO-Welterbe
  • Leistungen: Archivrecherchen in mehreren Beständen und Institutionen
  • Leistungen: Auswertung von Presse, Protokollen, Marketing, Leserbriefen
  • Schwerpunkt: Wirkungsgeschichte, Wahrnehmung und internationale Vorbildfunktion
  • Ergebnisformat: Schriftliches Gutachten als Bewertungsgrundlage

Key Facts

Unternehmensart: Kultur & Wissenschaft

Auftrag & Ausgangslage

Der Stuttgarter Fernsehturm gilt als Ikone der Nachkriegsmoderne und als weltweit erster Fernsehturm in Stahlbetonbauweise. Für die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe fehlte jedoch eine Gesamteinordnung, die historische, technische und kulturelle Bedeutung zusammenführt. Der Auftrag an die D.I.E. Firmenhistoriker lautete daher, die Entwicklung von den Planungen der 1950er-Jahre über frühe Kontroversen bis zur internationalen Strahlkraft systematisch zu untersuchen. Ziel war eine belastbare Grundlage für die weitere denkmalpflegerische und kulturpolitische Bewertung.

Vorgehen im Projekt

Die D.I.E. Firmenhistoriker arbeiteten interdisziplinär und quellenkritisch. Die Recherche stützte sich auf mehrere Archive und Bestände, darunter das Historische Archiv des SWR, die SWR Media Services GmbH, das Stadtarchiv Stuttgart, das SAAI Karlsruhe und das Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Ergänzend wurden über Jahrzehnte erschienene Presseberichte aus dem In- und Ausland sowie Geschäftsberichte, Protokolle, Marketingmaterial und Leser- bzw. Hörerpost ausgewertet. Vergleichsstudien zu Turmbautraditionen des 18. und 19. Jahrhunderts und zu nachfolgenden Fernsehtürmen ordneten den Bau international ein. Die Abstimmung mit dem Auftraggeber lief kontinuierlich über den gesamten Projektzeitraum.

Die Zusammenarbeit mit den Firmenhistorikern war immer ausnehmend freundlich und zielorientiert, die Ergebnisse vielschichtig, spannend und erkenntnisreich. Wir sind dankbar für die Fülle an tiefgehendem Archivmaterial, welches viele neue Perspektiven ermöglicht und uns in der weiteren Bearbeitung in wertvoller Weise begleiten wird.
Annika Ruf, Landesamt für Denkmalpflege

Projektergebnisse

Das Gutachten beschreibt den Stuttgarter Fernsehturm als Landmarke von internationaler Bedeutung und legt die Argumente dafür nachvollziehbar dar. Es arbeitet den Turm als technisches Wagnis von 1956 heraus und zeigt, wie die Verbindung von Sendetechnik, Aussichtsplattform und Restaurant eine neue Wahrzeichen-Tradition begründete. Die Studie dokumentiert den Wandel der öffentlichen Wahrnehmung: von früher Kritik („Schandmal“, „Fabrikschornstein“) hin zu Akzeptanz und Identifikation. Zudem belegt sie die internationale Rezeption und Nachahmung – als Vorbild für zahlreiche Fernsehtürme weltweit. Damit liegt eine fachlich belastbare Grundlage für die weitere denkmalpflegerische Bewertung vor.

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