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Sparkassenverband wird 125 Jahre alt

1922 bezog der Sparkassenverband das Hansa-Haus am Aegidientorplatz, Hannover (Foto: Historisches Museum)

Hannover, 21.2.2012 - Von Simon Benne
"[...] Wenn’s ums Geld geht, schlägt der Lauf der Geschichte oft besonders spektakuläre Haken: So stand anno 1887 ausgerechnet an der Wiege des ehrwürdigen, stets auf Solidität und Nachhaltigkeit bedachten Sparkassenverbandes Niedersachsen ein veritabler Betrüger Pate. In Verden hatte Sparkassendirektor Ernst Voß die stolze Summe von 2,7 Millionen Mark veruntreut und das Geld in vier Rittergüter investiert. Er hoffte, diese gewinnbringend wieder verkaufen zu können. Doch der Mann, der selbst einen Hang zum luxuriösen Leben pflegte, hatte sich verkalkuliert. Lange narrte der clevere Voß die staatlichen Kontrollbeamten, doch dann „brach das ganze Lug- und Truggebäude zusammen“, wie eine Untersuchungskommission nicht ohne Genugtuung feststellte.

Bald darauf, am 7. Oktober 1887, versammelte sich in Kastens Hotel in Hannover ein Kreis honoriger Vertreter von 77 Geldinstituten, um den „Hannoverschen Sparkassenverband“ aus der Taufe zu heben. Dieser sollte vor allem den eigenen Mitarbeitern auf die Finger gucken – bei der Kassenprüfung. Zum Vorsteher wurde der Mühlenbesitzer Wilhelm Cord Müller bestimmt, der  versprach, „Unordnungen und Unregelmäßigkeiten, wie sie ja bedauerlicher Weise in den letzten Jahren bei einzelnen Sparkassen vorgekommen sind“, Einhalt zu gebieten. Damals war die Verbandsgründung ein weitsichtiger Schritt: Früher als anderswo erkannten die Hannoveraner, dass so ein Zusammenschluss Kräfte bündeln konnte. Freilich musste der Revisor die Akten anfangs noch in seiner Privatwohnung stapeln. Wirklich repräsentative Räume bezog der Verband erst 1922 im Hansa-Haus am Aegi.

In diesem Jahr wird der heutige Sparkassenverband Niedersachsen, der vier Millionen Kunden zählt, 125 Jahre alt – und feiert sein Jubiläum auf unkonventionelle Weise. „Das ganze ist ein Experiment“, sagt Verbandspräsident Thomas Mang. „Normalerweise werden ja bei solchen Gelegenheiten 400-seitige Festschriften vorgestellt, die dann im Schrank verschwinden.“ Sein Verband hingegen hat am Montag ein Onlineportal freigeschaltet.

Auf www.sparkassengeschichten.de haben einerseits professionelle Historiker die Geschichte von Niedersachsens Sparkassen aufgearbeitet. Andererseits können hier aber auch alle Nutzer  Bilder und Geschichten einstellen; Erlebnisse aus der Filiale vor der eigenen Haustür, Erinnerungen an die Währungsreform oder Dokumente aus der Inflationszeit. Im Netz soll so zum Verbandsjubiläum nicht nur ein elektronisches Archiv entstehen, das sich ständig fortschreiben lässt, sondern auch eine kurzweilige Anekdotensammlung.[...]"

© Hannoversche Allgemeine

21.02.2012