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90 Jahre Südwestbank

Am 28. März 2012 erschien die Sonderbeilage "90 Jahre Südwestbank" in der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

Es begann in einer sehr turbulenten Zeit

"Es ist ein Jahr mit markanten Entwicklungen in der hiesigen Finanzwelt: So veröffentlicht das Statistische Reichsamt 1922 den ersten amtlichen Aktienindex. Das neue Börsenbarometer steigt rasant, vor allem weil eine galoppierende Inflation die Kurse treibt. Im selben Jahr nimmt in Stuttgart die Württembergische Landwirtschaftsbank GmbH, die heutige Südwestbank, ihren Geschäftsbetrieb auf.

[...] 'Die Gründung der Bank fiel in eine sehr turbulente Zeit', sagt Ingo Stader, der die Geschichte der Südwestbank im Wirtschaftsarchiv des Landes in Hohenheim recherchiert hat. [...] Wie manövrierte sich ein junges Geldinstitut wie die Württembergische Landwirtschaftsbank durch derartige Turbulenzen, kann man sich fragen? Antworten darauf fand Wirtschaftshistoriker Stader in Protokollen von Aufsichtsratssitzungen aus jener Zeit. 'Die Bank betrieb eine vorausschauende Geschäftspolitik, die auf starkem partnerschaftlichem Vertrauen zwischen Kunden und Bank basierte', erklärt Stader. Man ließ die Kunden, zu denen Landwirte, Mittelständler und Unternehmen zählten, in schwierigen Zeiten nie allein. [...]

An ungezügelten Spekulationen auf den Finanzmärkten, die die Weltwirtschafts- und Bankenkrise in den 1930er Jahren auslösten, beteiligte man sich nicht. 'Die Bank hat auf solides Wirtschaften gesetzt und nicht auf Gewinnmaximierung', stellt Ingo Stader fest. Eine Geschäftspolitik, die im Übrigen bis heute gelte. Größten Wert legte die Bank von Anfang an auf eigene Liquidität und konsequente Sicherstellung der Kredite. [...] Bemerkenswert gut meisterte die Bank deshalb die Bankenkrise im Jahr 1931. [...]

Mit der 'Machtergreifung' der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 kam es auch in der Bank zu personellen Umbesetzungen. Ganz im Sinne der 'Gleichschaltung' wurde der Vorstand der Bank mit einem linientreuen Parteimitglied besetzt, ebenso der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. 'Dies war durchaus üblich. Denn die Durchdringung des NS-Regimes betraf nicht allein staatliche Einrichtungen, sondern auch viele Wirtschaftsorganisationen, Verbände und Unternehmen', stellt Stader fest. Mit der Entnazifizierung nach 1945 wurden die NSDAP-Genossen im Vorstand und Aufsichtsrat wieder entfernt. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender wurde Eugen Grimminger (1892-1986). Er war Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose und war im März 1943 verhaftet worden.

Nach Kriegsende wandelte sich die Bank vom Spezialinstitut für landwirtschaftliche Kredite zur regionalen Geschäftsbank. [...] 1964 wurde der auf eine reine Branchenbank hindeutende Name aufgegeben und die erfolgreiche Geschäftsbank in 'Südwestbank' umgetauft." Jürgen Lessat

 © Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten 

30.04.2012