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Firmenhistoriker

Gemeinsam mit Geschäftsfreunden erbaute er eine Fabrik für Teerprodukte. Zwei Jahre lang beschäftigte er sich intensiv in diesem Spezialgebiet, wandte sich dann aber wieder ganz dem Gaswerkebau zu.15 Nachdem sich Spreng von Nürnberg aus in Tübingen für den Bau eines Gaswerks be- worben hatte, schickte er Kostenvoranschläge, wobei er verschiedene Betreibermodelle vorstellte: Das erste Modell sah vor, dass ein privates Unternehmen das Gaswerk auf eigene „Rechnung und Gefahr“ baut und betreibt. Als Alternative dazu schlug Spreng den Bau des Gaswerks „auf städtische Kosten“ und den Betrieb durch ein städtisches Unternehmen vor. In allen Einzelheiten schilderte er die Vor- und Nachteile der beiden Varianten. So erklärte er zum Beispiel, dass sich der Wert eines Gaswerks bei einem Rückkauf nach 20 oder 30 Jahren im Voraus nicht genau beziffern lässt, „weil wir die Rentabilität des Betriebs nicht fest bestimmen können“. Am 11. Februar 1862 schickte Spreng dann ein detailliertes Angebot über den Bau eines Gaswerks an die Stadt Tübingen. Spreng war aber nicht der Einzige, der sich um das geplante Gaswerk in Tübingen bewarb. H. Mergentaler & Cie aus Ludwigsburg16 oder Ludwig August Riedinger aus Augsburg warfen ebenfalls ihren Hut in den Ring. Schließlich fand eine „gemeinschaftliche Sitzung“ der Kommission und der Bürgerlichen Kollegien im oberen Rathaussaal statt, zu der Spreng und Riedinger für eine vergleichende Präsentation eingeladen wurden. Die Einladung enthielt zugleich die Bitte, sich nötigenfalls auch den Nachmittag für Verhandlungen freizuhalten.17 Obwohl Riedinger ein starker Konkurrent war, der bis 1871 insgesamt 74 Gaswerke im In- und Ausland baute und zum Teil auch betrieb, darunter 1860 das in Reutlingen,18 konnte sich Spreng am Ende durchsetzen. Bereits am 6. März 1862 kam es zum „Vertrag über die Erbauung und Einrichtung einer Gasfabrik zu Tübingen“ zwischen den Bürgerlichen Kollegien und Emil Spreng.19 Darin wurde festgelegt, dass Spreng der von der Stadt erworbene Acker „Beim Hanfland“ an der Reutlinger Straße zur Verfügung gestellt wird. Mit dem Gaswerk entstand hier das erste Tübinger Gebäude südlich der Bahnlinie. An dieser Stelle befindet sich heute das von den Stadtwerken betriebene Parkhaus Metropol. Sprengs Angebot vom Februar 1862 umfasste auch Detail- zeichnungen, wie hier die Ausführung der Straßenlaternen. 13


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