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um 1840 Während in England bereits um 1840 jede größere Stadt ein Gaswerk hatte, setzte sich die neue Technik in Deutschland erst in den darauf folgenden Jahrzehnten durch. Viele europäische Städte begannen, ihre Beleuchtung von Öl auf Gas umzustellen. Bereits im Oktober 1861 unterstützten zahlreiche Professoren, darunter Friedrich August Quenstedt, die Bildung einer gemeinsamen Kommission zu den Fragen der Gasbeleuchtung. 1845 Mit dem Stuttgarter Gaswerk ging das erste Der engagierteste Befürworter der Gasbeleuchtung unter den Professorenwar der renommierte Geologe Friedrich August Quenstedt. Er war 1837 Gaswerk in Württemberg in Betrieb. Erzeugt wurde das im Alter von 28 Jahren von Berlin an die Eberhard Karls Universität geholt sogenannte Leuchtgas durch Erhitzen von Steinkohle worden, um Fachleute für die Erkundung der Steinkohle auszubilden.3 unter Luftabschluss in speziellen Öfen (Retorten). An- Quenstedt hatte den neu geschaffenen Lehrstuhl für Mineralogie und schließend wurde das Gas abgekühlt und zur Reinigung durch eine Flüssigkeit wie zum Beispiel Kalkmilch Geognosis übernommen und etablierte die damals noch junge Geologie geleitet, bevor es im Gasometer gespeichert wurde. als eigenständigen Wissenschaftszweig im Königreich Württemberg. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar: Quenstedt leitete den Lehrstuhl 52 Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahre 1889.4 Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit stand die Erforschung von Fossilien, die er zur geologischen Altersbestimmung verwendete.5 Innerhalb weniger Jahre baute er fast aus dem Nichts eine ansehnliche Fossiliensammlung mit über 30.000 Exemplaren auf, indem er vorhandene Sammlungen erwarb und die Landbevölkerung dazu animierte, ihm ihre Fundstücke zu verkaufen. Quenstedt unterstützte mit seinem Wissen auch lokale Unternehmen: „Der praxisorientierte Geologieprofessor hatte im Auftrag der ,Central- stelle für Handel und Gewerbe’ schon 1856 eine Schieferölfabrik in Mit der Hand wurden Tag und Nacht die Retorten des Ofens mit Ohmenhausen initiiert und 1861 für Gustav Werners neu erbaute Det- Kohlen gefüllt und, nachdem der Kohle durch Hitze das Gas ent- tinger Papierfabrik eine Schieferöl-Gasfabrik zu Beleuchtungszwecken zogen worden war, der verbleibende Koks wieder aus den Retor- angeregt, wobei Ölschiefer aus den Posidoniengruben bei Metzingen ten geräumt. Blick in das Tübinger Gaswerk vor 1925. nutzbar gemacht werden sollte.“6 8


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