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12 überdauerte die Kriegswirren ebenfalls! Nach Ende des Krieges wurde die Papierproduktion nicht an allen Standorten wieder aufgenommen. Dennoch waren die Aussichten für die Papiermühlen gut; der Papierbedarf wuchs und so erholte sich das Gewerbe verhältnismäßig schnell von den Rückschlägen.4 Auch die Zahl der Papiermühlen stieg kontinuierlich an: Um 1700 gab es rund 500, um 1800 bereits gut doppelt so viele Papierhersteller.5 „Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Einführung einer neuen Technik zum wichtigsten Streitpunkt der vorindustriellen Papiermacherei.“6 Fortan wurde als neue Methode das Stampfen der Hadern angewandt. Das Stampfwerk enthielt Mulden und Löcher, die meistens in einen dicken eichernen Block gehauen und mit einem eisernen oder steinernen Boden ausgelegt waren. Diese Stampflöcher nahmen die Hadern, als Faserrohstoffe verwendete Textilien, auf und wurden bewässert. Ein 25 bis 30 Kilogramm schwerer Hammer – zunächst aus Holz, später mit Eisen beschlagen – fiel mehrere Stunden lang kontinuierlich auf die Fasern und lockerte so deren Gewebestruktur auf.7 Diesen Prozess könnte man, großzügig betrachtet, als Mahlvorgang ansehen – so erklärt sich der Begriff der „Papiermühle“, wie die Werkstätten im Allgemeinen genannt wurden. Übrigens: Auch die Papierfabriken im 19. Jahrhundert hat der Volksmund noch als Papiermühle bezeichnet.8 Eine Kunst bei der Papierherstellung war das Faulen, das in unterschiedlichen Varianten ausgeführt wurde, um die Gewebefasern mürbe zu machen. In Frankreich war es üblich, den Faulungsprozess offen in Gruben oder Gewölben durchzuführen. Die Gärung in Deutschland hingegen erfolgte überwiegend unter Luftabschluss. Das bedeutete weniger Aufwand und ein schnelleres Das Ölgemälde von David Mieser aus dem Jahr 1625 zeigt die Mittlere Papiermühle in dem zu Ravensburg gehörenden Schornreute.


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