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Was sich hier erst am Horizont abzeichnete, sollte schon wenige Jahre später in einen furchtbaren Konflikt münden, der Deutschland auf Jahrzehnte verwüstete und zurückwarf: der Dreißigjährige Krieg. Gegenüber seiner mit Unerbittlichkeit betriebenen Religionspolitik traten andere Leistungen Johann Christoph I. von Westerstetten zumindest für seine Zeitgenossen ein wenig in den Hintergrund: seine Verdienste als Wirtschaftspionier. So errichtete er 1611 im nahegelegenen Abtsgmünd einen Schmelzofen nebst Schmelzhammer. Begünstigt durch die Wasserkraft des Kochers, das Holz der umliegenden Wälder und eigene Erzvorkommen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine florierende Hüttenindustrie. Das fürstpröpstliche Hammerwerk wurde nach der Säkularisierung als Königliche Hüttenwerke weitergeführt, das Werk wurde erst 1929 stillgelegt und die Produktion nach Wasseralfingen verlagert. Und dann war da ja noch der steigende Bedarf an Papier für die Kanzleien der Ellwanger Fürstpropstei, auf die man 1612 mit der Gründung einer eigenen Papiermühle reagierte. Johann Christoph I. von Westerstetten konnte damals wohl kaum ahnen, dass gerade dieses Vorhaben alle Widrigkeiten der Zeitläufe überstehen und auch nach 400 Jahren noch existieren würde. Er selbst hat die Inbetriebnahme der neuen Papiermühle, die 1613 fertig gestellt wurde, nicht mehr vor Ort miterlebt. Denn Ende 1612 wurde er zum Bischof von Aussage im Hexenprozess der Ursula Blattner, 24. April 1615.


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