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17 nicht nur ihren Gründer, sondern auch die Fürstpropstei Ellwangen dereinst um viele Jahrhunderte überdauern würde. Geboren wurde Johann Christoph von Westerstetten am 6. Jan- uar 1563 in Wasseralfingen, wo sein Vater Wolfgang Rudolf von Westerstetten zu Altenberg Pfleger war. Die Ministerialenfamilie gehörte zu den angesehensten Sippen unter den schwäbischen Rittern, ihre Ursprünge lassen sich bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts urkundlich nachweisen. Bereits als 12-Jähriger begann Johann Christoph mit dem Studium an der Universität Dillingen, das er später in Ingolstadt fortsetzte und schließlich 1586 an der Universität Dole in Frankreich abschloss. Schon vor der Aufnahme des Studiums nahm er als Kanoniker des Stifts Ellwangen regelmäßig an der Liturgie teil, 1580 wurde er außerdem Domherr in Eichstätt. Eine Kirchenkarriere war also schon früh absehbar. Nach seiner Priesterweihe 1589 in Augsburg hatte Johann Christoph von Westerstetten zeitweise mehrere Kirchenämter gleichzeitig inne. So war er unter anderem Kanoniker und Kapitelsdekan in Eichstätt, aber auch Dekan des Augsburger Domkapitels und ab 1601 Dekan in Ellwangen. Dass er dort ein Jahr später Koadjutor, also Berater, des Fürstpropstes Wolfgang von Hausen wurde, hat seinen weiteren Weg vorbestimmt. Denn 1603 musste das Amt neu besetzt werden. Von Westerstetten profitierte dabei von der staatsrechtlichen Organisation der Fürstpropstei als Konsistorialbenefizium, in dem das Stiftskapitel den Fürstpropst wählte. Ob es für das gut dotierte Amt mehrere Bewerber gab, ist nicht bekannt. Belegt ist hingegen, dass von Westerstetten am 24. Juli 1603 zum Fürstpropst von Ellwangen gewählt wurde und sich fortan Johann Christoph I. nannte.3 Eine seiner ersten Amtshandlungen betraf seine Residenz, die er in den nächsten fünf Jahren mit großem Aufwand in ein vierflügeliges Schloss mit prägnanten, achteckigen Turmaufsätzen umbauen ließ. Genau 200 Jahre lang, bis zur Säkularisation durch Napoleon, diente das Ellwanger Schloss den Fürstpröpsten als ebenso repräsentative wie Respekt einflößende Residenz, die noch heute das Stadtbild von Ellwangen prägt. Mit ebenfalls großem Eifer machte sich der neue Fürstpropst an seine kirchliche Arbeit. Als entschiedener Vertreter der Gegenreformation ging es ihm darum, den sich ausbreitenden Protestantismus zurückzudrängen und zu bekämpfen. In dieser Hinsicht konnte er sich der Unterstützung durch den Papst im fernen Rom sicher sein. Mehr noch, er stand in engem brieflichen Kontakt zum Heiligen Stuhl, zu dem er gute Beziehungen unterhielt.4 Bereits 1606 führte Johann Christoph I. deshalb auch den einheitlichen römischen Ritus, wie ihn das Konzil von Trient erarbeitet hatte, im Ellwanger Stift ein. Als kompromissloser Hardliner erwies sich der Propst auch in einem besonders dunklen Kapitel der Kirchengeschichte. Obwohl das oft als „finster“ titulierte Mittelalter längst vorbei war, erlebte die Hexenverfolgung Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts 1612 Erste Planungen für eine Papiermühle in Unterkochen 1611 Intensivierung der Hexenverfolgung im Ellwanger Territorium


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