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14 In der Frühen Neuzeit beginnt die Papierproduktion in Unterkochen Die Geschichte der Papierproduktion in Unterkochen beginnt in der „Frühen Neuzeit“, jenen Jahrhunderten zwischen der Reformation und dem Ende des Alten Reiches (1517–1806), in einer Zeit der knappen Ressourcen. Menschen, die nicht viel besitzen, müssen mit dem Wenigen sorgfältig umgehen. Alles wird aufbewahrt und wieder verwendet. Praktisch alle Menschen stecken in kollektiven Lebenszusammenhängen. Die Unsicherheit des Lebens zwingt sie, in Gruppen wie Familie, Verwandtschaft, Nachbarn, Zunft und Gilde zu leben. Nicht selten führt dies zu einem Mangel an Intimität, aber auch zu Kontrolle, Neid und Rohheit. Unterkochen war Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, das sich als buntes Sammelsurium von Holstein bis in die Toskana und von Flandern bis nach Schlesien erstreckte. Dieses Reich regierte der Kaiser, der wiederum von den Kurfürsten gewählt wurde. Letztlich fielen jedoch in den Territorien selbst die wichtigsten Entscheidungen, wenn es um Gerichtsbarkeit, Gesetzgebung, Landesverteidigung, Religions- und Polizeigewalt und Außenpolitik ging. So war es auch in Unterkochen. Im Reich lebten um das Jahr 1500 ca. 16 Millionen Menschen. Nach dem tiefen Einschnitt des Dreißigjährigen Krieges und einem erheblichen Bevölkerungsrückgang wuchs die Bevölkerungszahl im 18. Jahrhundert auf 23 Millionen an. Die Sterbequoten lagen hoch. 50 Prozent der Menschen starben vor dem 20. Lebensjahr, andererseits konnte jeder zweite Erwachsene ein Alter von 74 Jahren (Mann) oder 79 Jahren (Frau) erreichen. Das Heiratsalter lag recht hoch, was zu einer kurzen Geburtenphase führte. Erst im 19. Jahrhundert sanken aufgrund neuer Agrartechniken, verbesserter Hygiene und Medizin und des Ausbleibens von Seuchen die Sterbezahlen. Man unterschied in der Gesellschaft Adlige, Kaufleute, Beamte, Handwerker, Bauern und Tagelöhner, Gesinde, unverschuldete Arme, Witwen und Waisen. Die Arbeit von Handwerkern und Bauern galt primär der Existenzsicherung. Außerhalb dieser „ehrbaren“ Gesellschaft lebten Minderheiten wie Juden und Zigeuner, aber auch Bettler und Vaganten, Prostituierte und Kriminelle, ebenso die sogenannten unehrlichen Berufe wie Turmwärter, Ziegelstreicher, Spielleute, Müller, Bader, Schäfer und Leineweber. Auf der Ansicht der Gmünder Pürschkarte von 1572 wird Unterkochen von der mächtigen Kochenburg dominiert.


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