Page 9

Firmenhistoriker

1 die Hyperinflation durch eine Währungsreform zu freude freien Lauf. Vor allem Künstler waren es, stoppen und die Voraussetzungen für eine Norma- die in Literatur, Malerei und Musik ganz neue lisierung der wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Wege gingen. Aber auch die Bauhaus-Architektur, Zustände zu schaffen. Theater, Revuepaläste und das junge Medium Kino erlebten einen bis dahin unvorstellbaren Auf- Drei Jahre lag das jetzt zurück, und was kaum jemand schwung. In den UFA-Studios Babelsberg entstand für möglich gehalten hatte, war eingetreten: Die po- unter der Regie von Fritz Lang 1926 der berühm- litischen Straßenkämpfe gehörten ebenso der Ver- teste Stummfilm jener Zeit, »Metropolis«. Und auf gangenheit an wie die wirtschaftliche Not. In vielen den Bühnen der Stadt feierte im gleichen Jahr die Industriezweigen war ein deutlicher Aufschwung »schwarze Venus« Josephine Baker sensationelle erkennbar, Menschen fanden wieder Arbeit, von Erfolge. Im Rückblick wird man später von den der sie mit ihren Familien leben konnten. »Goldenen Zwanzigern« sprechen. Nirgendwo sonst in Deutschland, ja auf der Welt, Andererseits wird man rückblickend aber auch von brach sich ein neues, optimistisches Lebensgefühl einem Tanz auf dem Vulkan reden, von einem kur- so vehement und überbordend Bahn wie in der zen, aber heftigen kulturellen Zwischenhoch vor der deutschen Reichshauptstadt Berlin. Nach Jahren Katastrophe. Denn – und das ist die andere Seite des Krieges, der politischen Unsicherheit und der der zwiespältigen Medaille namens Weimarer Repu- wirtschaftlichen Not ließ eine avantgardistische blik – es war längst nicht alles Gold, was im nächt- Großstadtboheme ihrer neu gewonnenen Lebens- lichen Großstadttreiben Berlins glänzte. 1 Massenkundgebung der Berliner Bevölke- rung gegen die Bedingungen des Versailler Vertrags 1919. © bpk/Hanni Michaelis 1926 – 1948 5


Firmenhistoriker
To see the actual publication please follow the link above