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Firmenhistoriker

Eine seiner ersten Amtshandlungen betraf die Direktor Eitel stand ein 17-köpfiges Kuratorium zur Namensgebung des Instituts: In einem Brief an Seite, dem führende Vertreter aus Wissenschaft und den Bürodirektor der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Industrie angehörten, unter anderem Otto Schott Franz Arndt, schrieb Eitel am 26. April 1926: und Philipp Rosenthal. Gerade die Industrievertreter erhofften sich raschen praktischen Nutzen von »Darf ich bei dieser Gelegenheit nochmals aus- dem neuen Institut. Eitel war sich der Erwartungen drücklich darauf hinweisen, dass das Institut nicht durchaus bewusst: »Der Leiter des neuen Instituts ist Kaiser-Wilhelm-Institut für Silikatchemie genannt sich der Verantwortung bewusst, die eine so große werden darf. Es ist nicht bloß ein chemisches Insti- Opferbereitschaft seiner Förderer auferlegt.«17 tut, sondern umfasst auch die Physik, die Minera- logie und andere Forschungszweige bei den Silika- Die Forschungsziele gingen – ganz im Sinne Eitels ten. Ich bitte daher ergebenst, darauf achten zu – in zwei Richtungen: In erster Linie ging es um wollen, dass ich den Name Kaiser-Wilhelm-Institut »die Erweiterung unserer wissenschaftlichen für Silikatforschung wünsche.«12 Kenntnisse von den Silikaten«, parallel aber auch um »die Verwertung dieser Erkenntnisse Eitels Wunsch wurde erfüllt, Arndt vermerkte für die praktischen Ziele der Silikatindustrien«.18 hierzu: »Der Umbenennung des Instituts dürf- Im Vordergrund standen dabei die physikalisch- ten Bedenken nicht entgegenstehen. Wegen der chemische Erforschung der Silikate sowie das Umbenennung des Bankkontos ist bereits das Studium der Schmelz- und Verfestigungsgleich- Weitere veranlasst worden.«13 Untergebracht war gewichte. Ein wichtiges Prinzip des Instituts war das Kaiser-Wilhelm-Institut für Silikatforschung von Anfang an die enge Verzahnung mit der in einer Villa in Berlin-Dahlem, in der bereits das universitären Lehre und Forschung, um »die Kaiser-Wilhelm-Institut für Faserstoffchemie tätig besten Anwärter für die Berufung an das Institut war. Die Arbeitsbedingungen, aber auch die auswählen zu können und um stets die Übersicht finanzielle Ausstattung waren zunächst alles über den Unterricht der in Betracht kommenden andere als optimal. Dem Institut standen im ersten Studenten und jungen Ingenieure zu bewahren«.19 Geschäftsjahr gerade einmal 95 000 Reichsmark zur Verfügung.14 Der enge finanzielle Spielraum Dieser Logik folgend, war Eitel auch zum Ordina- veranlasste Direktor Eitel, seinen Privatwagen als rius an der Technischen Hochschule Berlin in Char- Institutsfahrzeug zur Verfügung zu stellen und lottenburg mit einem Lehrauftrag in physikalisch- gebrauchte Möbel aus den Beständen des Finanz- chemischer Mineralogie berufen worden, um ministeriums zu kaufen.15 Kein Wunder, dass Eitel dort »sein Fach in Vorlesungen und Übungen zu schon bald einforderte, dass neben der Kaiser- vertreten«.20 Der damit vorgezeichnete Austausch Wilhelm-Gesellschaft und der Glas- und der kerami- von wissenschaftlichem Personal zwischen Univer- schen Industrie »in noch weiterem Umfange die sität und Institut sollte sich unter der Bezeichnung Silikatindustrien Deutschlands an der so wichtigen »fluktuierender Stab« in der Folgezeit als grundle- Aufgabe des neuen Instituts interessiert werden«.16 gendes Prinzip des Instituts etablieren. 1926 – 1948 17


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